Schon dieses Wochenende darf ich mich ein wenig über den Verlust hinwegtrösten und am Rudolfplatz in Köln anlässlich der Gamescom Konzerte von Twin Atlantic, Kilians, Donots, Rival Schools und Tomte sogar für umsonst bestaunen. Moneybrother, der auch auftritt, wird mir leider entgehen, da sein Konzert zeitgleich mit den Rival Schools geplant ist. Dennoch bin ich voller Vorfreude und diesmal gelten keine Ausflüchte.
Eigentlich müsste an dieser Stelle unbedingt ein Beitrag von mir kommen, wie großartig das Haldern Pop dieses Jahr wieder war und welche tollen Bands ich alle gesehen habe. Die Wirklichkeit sieht allerdings anders aus und zwar habe ich mein Ticket vertickt und am Wochenende gearbeitet. Das ist tragisch, da ich mich seit langer Zeit auf das Festival gefreut habe, aber akute Geldnot trieb mich zu dieser selbstzerstörerischen Handlung. Damit ihr mein Leid ein wenig teilen könnt, hört euch diesen traurigen Song von José González’ Band Junip an, die es auch nicht aufs Festival geschafft haben.
Jan Delay möchte alle sein: Prince, Stevie Wonder, George Clinton, Michael Jackson, James Brown, Udo Lindenberg, usw… Dank der Disko No.1 Band hat er auch das passende musikalische Grundgerüst dafür und das – muss man anerkennend zugestehen – ist gar nicht so weit von den Vorbildern entfernt. Überraschenderweise Verdientermaßen darf die Disko No.1 Band dann auch bei „B-Boys & Disko Girls“ ihren Mucke spielen ohne dass Jan Delay gesanglich dazwischenfunkt. Für manche vielleicht das Highlight des Albums, denn Jan Delays Gesang polarisiert nunmal sehr stark. Das liegt nicht nur an seiner nasalen Stimme, sondern auch an seinem Hamburger Hiphop-Slang und sogar an Inhalten. Letztere variieren zwischen Sozialkritik, Eigenlob und Liebesthemen und bieten dadurch schon reichlich Angriffsfläche für all die Hater, die nicht auf die derben Hamburg-Styles flashen. Glücklicherweise ist sich Jan der eigenen Widersprüchlichkeit bewusst und nimmt die Kritik schon in einem an „Füchse“ gemahnenden Skit vorweg. Entkräften kann er sie auf dem Album jedoch trotzdem nicht wirklich. Manchmal klingt etwas, was er singt, albern oder ungewollt komisch und vor allem „Large“ stößt mich ein wenig ab. Das alles macht aber finde ich gar nichts, denn neben den wirklich guten Songs (vor allem die ruhigeren) und Texten (teilweise) ist das überhaupt eine seiner größten Qualitäten ein Charakterkopf zu sein und anzuecken. Als Popstar steht er damit ziemlich alleine da. – Ja, der Typ, der nicht wollte, dass ihr seine Lieder singt, ist jetzt sowas wie ein Popstar, zumindest im deutschen Musikbusiness. Vielleicht der beste den wir haben. Keiner der oben genannten, aber ganz eindeutig Jan Delay.
Anspieltipps: Ein Leben Lang, Hoffnung, Kommando Bauchladen, Little Miss Anstrengend
Weiter gehts mit deutscher Musik. Diesmal: Rap – und zwar von der guten Sorte. Grüün setzt sich zusammen aus dem Rapper tide und dem Producer Comfort Fit und die machen Hiphop abseits des Mainstreams. Das ist dann häufig melancholisch, vertrackt, düster, experimentell, kann aber auch ganz anders wie die Videoauskopplung „Gluck Gluck“ beweist. Die Beats von Comfort Fit sind erste Sahne und halten dem Vergleich mit Flying Lotus, Prefuse 73 usw. locker stand. Der Rapper tide weiß auch zu überzeugen und rappt mal ernst, mal mit Witz über ganz verschiedene Themen. In „Üübertreiben“ rappt er über eklige Dinge und meint damit nicht dicke Frauen mit Achselhaaren; „5 Sekunden Schweiß“ verstehe ich als eine Hommage an Freundeskreis’ „Cross The Tracks“(!) und in „Gluck Gluck“ gehts um Alkoholkonsum und Feierei. Auch technisch ist tide ein guter Rapper und spricht auch nicht dieses ‘vereinfachte Straßendeutsch’, wie einige andere Kollegen.
Aber das beste daran ist, dass es das alles für jeden umsonst runterzuladen gibt. Die „Krauthop EP“ von der ich spreche ist auf dem Netlabel ideology erschienen. Von Comfort Fit gibt es auch noch den ganzen, hauptsächlich instrumentalen Backkatalog gratis und am 14.08. – das ist schon nächste Woche – ein ganz neues Soloalbum.
Musik aus Deutschland ist in diesem Blog leider etwas unterrepräsentiert. Zeit etwas dagegen zu unternehmen. Hier kommen The Robocop Kraus aus Nürnberg. Ihr neuestes Lied mit dem genialen Titel ist Vorbote der bald erscheinenden EP „Metabolismus Maximus“. Ich finde es sehr gut. Anhören! Sofort!
Heute habe ich für euch eine kleine Antiquität: die erste Single vom ersten Album von Teenage Fanclub. 1990 war das, ohne so klingen zu wollen als hätte ich das damals schon gehört (war auch noch zu jung). Hab das zugegenermaßen jetzt erst entdeckt, finde es aber trotzdem toll und auch erwähnenswert, da dieses Lied bestimmt vielen entgangen ist (wie mir).
Purple Rain ist eins der großartigsten Alben, das es gibt. Deswegen hat das amerikanische Musikmagazin Spin zu ihrer Sonderausgabe darüber ein Purple-Rain-Coveralbum mit verschiedenen Künstlern erstellt. Weil es soviele Highlights darauf gibt, dass ich mich nicht für eins entscheiden konnte, gibts jetzt gleich drei Lieder als mp3 für euch.
Salvador Dalí und Walt Disney. Was für ne Kombination! Durchgedrehter Surrealismus gepaart mit der Ästhetik der Disneyklassiker – gefällt mir natürlich außerordentlich gut. Auf DVD wärs natürlich noch besser als auf youtube, aber man kann froh sein, dass man es überhaupt sieht, denn es lag ja über 50 Jahre im Schrank, bevor es 2003 endlich fertiggestellt wurde. Fragt mich bitte nicht was das alles zu bedeuten hat, aber großartig finde ichs trotzdem.
Diesmal gings besonders schnell genug gute Lieder zu sammeln und ich wollte nicht mehr bis August warten, sie zu veröffentlichen. Daher gibts jetzt ein zweites Mixtape für den Monat Juli. Passt mir sowieso in den Kram, da ich den Rhythmus gerne so hätte, dass die Lieder, die ich in einem Monat gehört habe, auch unter genau dem Namen gebündelt sind. Zukünftig soll es also keine 2 Mixtapes pro Monat geben, sondern eins gegen Ende des Monats. Aber wenn ich weiter so schnell mache wird es sich wohl wieder nach vorne verschieben und irgendwann gibts dann vielleicht nochmal ein zweites. Mal sehen.
Tracklist:
1. Harmonic 313 ft. Phat Kat & Elzhi – Battlestar (Remix)
2. Beastie Boys ft. Nas – Too Many Rappers
3. Eyedea & Abilities – Burn Fetish
4. Cage – Hugs And Kisses
5. The Big Pink – Too Young To Love
6. The XX – Teardrops
7. Chokebore – Days Of Nothing
8. The Lions Constellation – Where Did You Go?
9. Arctic Monkeys – Crying Lightning
10. The Cribs – We Were Aborted
11. Julian Plenti – Games For Days
12. Muse – United States Of Eurasia
13. Thom Yorke – All For The Best
14. Blue Daisy ft. LaNote – Space Ex
15. Holy Ghost! – I Will Come Back
16. Neon Neon ft. Cate Le Bon – I Lust U
17. Delorean – Seasun
18. Marina & The Diamonds – I Am Not A Robot
kauft alben, bücher, dvds! geht ins kino, zu konzerten, ins stadion! zahlt GEZ gebühren! verhaltet euch bloß legal! das hier ist bloß ein blog. was ich hier poste soll dazu dienen neue sachen kennenzulernen und ein bisschen unterhalten zu werden. fragen, vorschläge, sonstiges an: billyblaze@rocketmail.com